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Löst Open Source allein unsere Probleme der digitalen Souveränität?

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Löst Open Source allein unsere Probleme der digitalen Souveränität?

Ja – aber das ist nicht ausreichend.

Open Source ist ein zentraler Baustein digitaler Souveränität. Er schafft Transparenz, reduziert Abhängigkeiten auf Code-Ebene und ermöglicht eigene Betriebsmodelle. Ohne ein verbindliches gesetzliches Framework bleibt er jedoch unvollständig.

In Deutschland ist nahezu jeder kritische Bereich normiert – vom Datenschutz über das Vergaberecht bis zu KRITIS- und Sicherheitsanforderungen. Für digitale Souveränität existiert hingegen kein konsistenter Rechtsrahmen mit klar definierten technischen Mindestanforderungen.

Organisationen, die vollständig in einer Hyperscaler-Cloud arbeiten – etwa bei Microsoft Azure – befinden sich in einem faktischen Lock-in. Ein Wechsel ist formal möglich, jedoch kaum leistbar. Proprietäre Plattformdienste, komplexe Identitätsarchitekturen, nicht standardisierte Konfigurationsmodelle und die wirtschaftlichen Exit-Kosten sind nicht beherrschbar.

Auch ein konzeptioneller „Plan B“ ersetzt keine strukturell abgesicherte Wechselbarkeit.

Wenn Deutschland ein souveräner Digitalstaat sein will, braucht es klare gesetzliche Leitplanken.

Aus meiner Sicht wären vier Punkte zentral:
1️⃣ Rechtsanspruch auf vollständige Portabilität.
Ein einklagbarer Anspruch auf Herausgabe sämtlicher Daten.
2️⃣ Verpflichtende Nutzung offener Standards.
Vorgegebene Export- und Migrationsschnittstellen wie z. B. JSON, XML, ODF, OpenAPI, OCI.
3️⃣ Begrenzung wirtschaftlicher Exit-Hindernisse.
Keine technisch bedingte Erschwernisse beim Anbieterwechsel.
4️⃣ Regelmäßige Exit-Fähigkeitsnachweise.
Tatsächliche Wechselbarkeit müssen periodisch überprüft und dokumentiert werden. -> "Der Plan B funktioniert."

Mit dem EU Data Act hat Europa einen ersten Schritt unternommen, insbesondere zur Reduktion von Wechselbarrieren bei Cloud-Diensten. Für den öffentlichen Sektor in Deutschland braucht es jedoch eine weitergehende, konkret operationalisierte Umsetzung – verbindlich verankert im Vergaberecht und in Standardvertragswerken.

Dieser Rahmen wäre zudem ein Grundpfeiler für eine prosperierende Digitalökonomie in Deutschland und Europa.

Wenn Wechselbarkeit real gesichert ist, entsteht echter Wettbewerb. Jeder Marktteilnehmer bleibt frei in der Wahl seines Anbieters. Investitionen folgen dann nicht struktureller Abhängigkeit, sondern Qualität, Innovationskraft und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Unter diesen Bedingungen würden erhebliche Investitionsmittel innerhalb Europas gebunden und ausgebaut. Milliardenbeträge könnten in europäische Anbieter, eigene Plattformen und ein tragfähiges digitales Ökosystem fließen – statt dauerhaft in geschlossene Abhängigkeiten.

Digitale Souveränität entsteht durch offene Standards, technische Reproduzierbarkeit, regulatorische Durchsetzung und strategische Architekturentscheidungen.

Wir müssen die digitale Souveränität rechtlich absichern - und damit gleichzeitig eine Digitalökonomie aufbauen!

Andreas PelznerLinkedIn-Beitrag · 5 Monate • Bearbeitet